Chronische Urtikaria unklarer Ursache

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Moderator: USS

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Dr. Zahn
Beiträge: 5
Registriert: 08 Jul 2012, 22:10

Chronische Urtikaria unklarer Ursache

Beitrag von Dr. Zahn »

Hallo zusammen,

ich möchte allen anhand meiner Geschichte einen möglichen Ausweg aus der Krankheit aufzeigen. Ich werde zunächst einmal meinen Krankheitsverlauf darstellen und über einen kleinen Exkurs über meine Tätigkeit zu der Lösung meiner Probleme kommen. Bitte entschuldigt, wenn es vielleicht zunächst etwas lang erscheint und zunächst auch nicht direkt mit dem Thema zu hat. Es ist aber wichtig, da es hier um ein grundlegendes Verständnis zur Entstehung und Therapie von chronischen "Krankheiten" handelt.
Da mir dieses Forum bei meiner Erkrankung sehr geholfen hat und ich lese, wie viele unter dieser Urtikaria leiden, möchte ich versuchen einen Beitrag zu leisten, einen Weg aus der Krankheit zu finden. Ich werde, um der Forenstruktur Rechnung zu tragen, hier zunächst meine Krankengeschichte darstellen und unter den folgenden Foren (Ursachen, Tabletten, Ärzte) einen Weg aufzeigen.

Vor ca. 3-4 Monaten habe ich das erste Mal dieses Forum besucht, da ich nach meinem letzten Urlaub auf Mauritius spontan eine Urtikaria entwickelt habe. Ich hatte so etwas schon einmal vor 5 Jahren als akut Form gehabt, so dass ich wusste, wie ich sie zu therapieren hatte. Damals hatte sie sich auch spontan entwickelt und ich habe sie mit einer Xusal (levocetirizindihydrochlorid) gut in den Griff bekommen. Nach ca. 1-2 Wochen war es auch überstanden und kam nicht wieder. Ich hatte damals sehr viel beruflichen Stress und Nachwuchs hatte ich auch gerade bekommen. Zudem hatte ich Probleme mit wiederkehrenden Infektionen der Rachenmandeln (Angina, fast alle 6-8 Wochen und nur mit Antibiotika wegzukriegen) und eine Heilpraktikerin aufgesucht. Ich habe diverse Therapien mitgemacht und war mir zunächst nicht sicher, ob es geholfen hat. Fakt ist, dass ich seither keine Antibiotika nehmen musste (Angina immer nach 3 Tagen mit Hausmitteln austherapiert) und auch keine Urtikaria mehr hatte.... bis zu besagtem Tag vor ca. 3-4 Monaten (Das letzte Jahr war unglaublich stressig und ich wusste, dass ich noch eine viel stressigere Zeit vor mir habe)
Da ich Zahnarzt bin und mir die entsprechenden Medikamente selbst besorgen kann, habe ich sofort mit bekannter Therapie begonnen. Leider ohne Erfolg. :( Im Gegenteil, die Urtikaria hat sich immer weiter ausgebreitet, bis schließlich der gesamte Oberkörper, Schritt- und Leistengegend betroffen waren. Da ich den Juckreiz nicht mehr aushalten konnte, habe ich irgendwann das komplette Arsenal ausgepackt und die Urtikaria mit hochdosiertem Kortison in Griff bekommen. Da das natürlich kein Zustand ist und mit den Nebenwirkungen nicht zu spaßen war, habe ich meinen Hautarzt untersucht. Dieser hat mich ordentlich zur Ader gelassen und mein Blut auf so ziemlich alles untersucht, was das Labor her gibt. Leider ohne Ergebnis. Wir haben die Xusal-Dosis langsam gesteigert, um das Kortison absetzen zu können. Erst bei der 4-fachen empfohlenen Tagesdosis wurde ich nach einer Woche symptomfrei.
Ich habe mir in der Zwischenzeit sämtliche aktuellen dermatologischen Studien und Therapievorschläge gekauft und studiert.... mit ernüchterndem Ergebnis. Es spiegelt im großen und ganzen die hier dargestellten Krankheitsverläufe und Leidensgeschichten wieder.
Ich habe gehofft, dass die Urtikaria bei mir nach spätestens sechs Wochen wieder verschwindet, damit sie sich nicht zu einer chronischen Urtikaria entwickelt, denn die Heilungsaussichten hierfür sind angeblich sehr schlecht.
Ich habe versucht das Xusal nach 2 Wochen in der Dosis zu halbieren mit dem Ergebnis, dass ich innerhalb von 4 Tagen einen erneuten Schub bekommen habe. Dieser war gefühlt heftiger und intensiver als zuvor. Ich habe 1 Woche gebraucht trotz 4-facher Dosis und zusätzlicher Kortisongabe um wieder beschwerdefrei zu werden. Dies war für mich ein herber Rückschlag und hat sich auch auf meine Psyche stark ausgewirkt, da die Prognosen nicht so berauschend sind und ich mich als Zahnarzt nicht irgendwann mit stärkeren Antihistaminika sedieren kann, ganz zu schweigen von Immun-Suppressiva.
Ich habe also diese Dosis erstmal aufrecht erhalten und mich nach alternativen Therapieverfahren umgesehen. Aus eigener Erfahrung (ich habe einen Schwerpunkt in CMD-Therapie: chronischer Gesichtsschmerz, falsche Bisslage, Rückenschmerzen etc.) weiß ich, dass die Schulmedizin funktionelle Probleme nicht ursächlich therapiert, sondern sich meist auf die Symptome stürzt. Ich erlebe es täglich wie beispielsweise eine Fehlbisslage Auswirkungen auf die gesamte Körperstatik hat (Beckenschiefstand, Beinlängendifferenz) und schlussendlich eine Schmerzsymptomatik entsteht, die die Betroffenen die Lebensqualität raubt und teils auch in die Arbeitsunfähigkeit führt. Wir sehen sogar zunehmend Zusammenhänge zu Organen, Atmung und Verdauung, da alles sich gegenseitig beeinflusst. Einige Patienten entwickeln einen Tinitus und der Ohrenarzt kann nichts finden. Andere haben Gesichtsschmerzen und Zahnärzte und Neurologen können nichts finden. Viele haben Nacken- und Rückenschmerzen, aber Einlagen, Massagen helfen nicht und der Orthopäde kann auch nichts tun. Viele dieser Patienten werden irgendwann von den Ärzten für "verrückt" erklärt, weil sie es sich nicht erklären können. In der CMD-Therapie erleben wir es regelmäßig, dass wir diese Patienten mit einer Funktionstherapie (in Zusammenarbeit mit spezialisierten Manualtherapeuten) beschwerdefrei kriegen. Wir bringen die Patienten aus dem Stadium der Überlastung, Fehlbelastung (hier entstehen langfristig Schmerzen) in einen neutralen Bereich. Wir erleben, dass die Patienten nach einer gewissen Zeit so stabil werden, dass sie mit den Belastungen des Alltags wieder klar kommen (Belastungen, die sie vorher teilweise massiv aus der Bahn geworfen haben). Worauf ich hinaus wollte, ist dass der Mensch im Grunde perfekt konstruiert ist und mit Belastungen (Stress, Umweltgifte, Fehlernährung, Fehlbelastung) jeglicher Art gut auskommt, solange er Ausgleich bekommt und KOMPENSIEREN kann. Die meisten Beschwerden (insbesondere die chronischen) entwickeln sich schleichend und bekommen in der Medizin einen Namen, wenn die Symptome so ausgeprägt sind, dass sie die Lebensqualität beeinflussen und man zum Arzt geht (Wer kennt das nicht: Kopfschmerzen hat ja jeder...., Rückenschmerzen auch....., hier und da mal Juckreiz..... geht ja wieder weg)
Insbesondere bei den "Krankheiten", wie zum Beispiel der beschriebene CMD oder auch der URTIKARIA, deren Ursache schulmedizinisch nicht geklärt werden können, liegen oftmals funktionelle Probleme an anderer Stelle über Jahre vor und das was wir wahrnehmen ist lediglich das Symptom. Deswegen lässt es sich dermatologisch auch nur symptomatisch therapieren und nicht ursächlich, weil die Ursache NICHT DIE HAUT IST!!!
Weiter geht es unter Ursachen.... (Ich hoffe es ist nicht zu lang. Es geht aber nicht ohne ein gewisses Grundverständnis für die Physiologie und die funktionellen Zusammenhänge und die lernt man als Arzt grundsätzlich nur in den vorklinischen Semestern, danach nicht mehr).
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