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Urtikaria-Forum für betroffene Patienten
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BeitragVerfasst: 04 Aug 2015, 01:08 
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Registriert: 04 Aug 2015, 00:49
Beiträge: 1
Sehr geehrte Ärzt/innen,

ich, 25 Jahre, männlich habe die letzten drei Jahre viel beruflichen Stress gehabt und unter hohem Anforderungsdruck gestanden. Ich habe ca. 80-90h die Woche gearbeitet, oft schlecht geschlafen - ich denke so geht es vielen Menschen in Deutschland.
Meine Erlösung war immer der Sport. Einmal ordentlich durchgeschwitzt, dann geht es besser. Drei mal die Woche war das zeitlich möglich und so konnte ich meine Anforderungen aushalten. Ich habe den Eindruck, dass ich mehr Adrenalin ausschütte als andere, ehrgeiziger bin, mehr Antrieb habe und deswegen vielleicht auch manchmal wenig schlafe.

Seit ich 12 bin leide ich unter eine Urtikaria factitia. Die ist nie weggegangen oder besser geworden, entgegen der Aussage meines Hautarztes "die verschwindet irgendwann von selbst".

Vor vier Wochen hatte ich einen Infekt. Nach 10 Tagen Infektdauer hatte ich dazu noch Augenschmerzen bzw. das Gefühl von trockenen Augen. Ich lieh mir die Vividrin Akut (Antihistamin) Augentropfen von einem Freund, in der Hoffnung, dass diese auch die Augen etwas befeuchten. Zwei Tropfen in jedes Auge und dann kam 5 Minuten später der Ausbruch einer Urtikaria an beiden Armen, beginnend am Oberkörper. Es war an dem Tag auch sehr warm und ich war sowieso am schwitzen. Seitdem leide ich unter einer cholinergen Urtikaria, die wirklich sehr stark ist: Kompletter Bauch und Oberkörper voller Quaddeln, der Rücken, beide Arme; schon bei leichter körperlicher Belastung.

Der Infekt ist weg. Die Augentropfen habe ich nie wieder genommen. Die cholinerge Urtikaria ist noch da und so stark wie zu Beginn. Mein einziger Puffer, der Sport, ist jetzt mit starkem jucken und Quaddeln am ganzen Körper und an den Armen verbunden. Ich war seitdem nicht mehr bei meinem Mannschaftssport.

Eine Refraktärzeit haben meine Mastzellen wohl auch nicht, jedenfalls hält diese keine zwei Stunden an (ich kann also den ganzen Tag voller Quaddeln sein, wenn ich nur genug Sport mache).

Diese Situation finde ich wirklich schlimm, da mein Sport mein wichtigster Ausgleich und meine größte Freude war. Und jetzt diese miese Erkrankung. Ich habe auch keine Hoffnung, dass diese von selbst einfach wieder weggeht, meine factitia habe ich schließlich auch schon knapp 15 Jahre. Jetzt also mindestens bis ich 40 bin kein Sport? Cetrizin etc. hat bei meiner factitia alles nichts gebracht...

Liebe Dermatologen, ich bin echt verzweifelt. Was würdet ihr an meiner Stelle tun? Habe ich das jetzt auch mindestens 15 Jahre? Wie ist die Prognose? Was sind die Besonderheiten? Wie kann ich wieder Sport machen, ohne wie nach dem welzen in einem Ameisenhaufen auszusehen?

Vielen Dank!


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BeitragVerfasst: 06 Aug 2015, 11:20 
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Fachärztin

Registriert: 17 Aug 2010, 17:27
Beiträge: 136
Wohnort: Berlin
Hallo patient25m,
häufig können verschiedene Arten der Nesselsucht, beispielsweise die chronische spontane Nesselsucht oder physikalische Formen zusammen auftreten. Bei den physikalischen Formen, wie der Urticaria factitia und auch bei der cholinergischen Urtikaria konnten bisher kein Auslöser/Ursachen identifiziert werden und eine routinemäßige Ursachensuche, wie dies bei der chronischen spontanen Urtikaria ist, ist aus aktueller Sicht nicht sinnvoll (mit Ausnahme des Ausschlusses einer starken Entzündung mittels Routineblutuntersuchung). Vor allem bei Infektionen, sowie sie dies berichtet haben, kann es zu einer Verstärkung der Nesselsucht Beschwerden kommen.
Für die Urtikariaformen ist eine Bestehensdauer von 5-7 Jahren laut Literatur angegeben, was sich daraus ergibt, dass einige Patienten nur wenige Wochen, andere mehrere Jahre unter den Beschwerden leiden. Wie lange dies bei Ihnen speziell der Fall ist, kann man leider nicht prophezeien.
Die Therapie der Nesselsucht besteht in der Gabe von Antihistaminika, bsp. dem von Ihnen genannten Ceterizin. Häufig ist die einfache Gabe nicht ausreichend. In solchen Fällen kann auf andere Antihistaminika gewechselt werden und vor allem eine Dosiserhöhung auf die vierfache Dosis erwogen werden. Ob dies bei Ihnen möglich ist, sollte noch einmal mit Ihrer behandelnden Ärztin besprochen werden.
Ich wünsche Ihnen hierfür alles Gute
Nicole Schoepke


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