Augenlidödeme aber kein Quincke-Ödem - Ursache und Behandlun

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Moderator: USS

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Lachnix
Beiträge: 11
Registriert: 08 Apr 2016, 11:08

Augenlidödeme aber kein Quincke-Ödem - Ursache und Behandlun

Beitrag von Lachnix »

Sehr geehrtes Ärzte-Team,

Seit einem knappen Jahr leide ich an chronischer Urtikaria. Im Rahmen dessen schwellen jede Nacht meine Augenlider/Tränensäcke extrem an. Es ist kein Angioödem in dem Sinne! Die Schwellung/das Ödem verschwindet, nachdem ich aufgestanden bin, nach ein bis zwei Stunden und wird einzig und allein durch flaches Liegen verursacht. Diese Schwellungen waren bereits zwei Monate vorhanden, bevor es zur Urtikaria kam. Auch kann ich mich erinnern, dass ich in meinem Leben immer mal Episoden hatte, in denen mir über ein bis zwei Wochen über Nacht die Augenlider so extrem angeschwollen sind (vielleicht bereits "Vorboten" einer Urtikaria, die dann aber doch nicht ausgebrochen ist?). Meine Internetrecherche erbrachte bislang nichts. Es wird immer nur von Angioödemen gesprochen. Seit letztem Jahr nehme ich Antihistaminika (z.Z. Ebastel 10mg 1-1-2), das hat aber keinerlei Auswirkung auf die Lidödeme. Die Hoffnung auf kurzfristige Heilung habe ich aufgegeben (Fokussanierung/OP meine chronischen Nasennebenhöhlenentzündung brachte bislang keine Verbesserung). Mit der Urtikaria kann ich mich arrangieren, es bleibt mir ja eh nichts anderes übrig, aber mit den Augenödemen komme ich nicht klar. Ich habe selbst schon vieles ausprobiert aber bislang hat nichts geholfen. Nun schlafe ich seit ein paar Wochen mit Knete um die Augen und fixiere das ganze mit einer Augengelmaske. Durch die Kompression schwellen die Augen nicht so stark an. Das ist aber keine Dauerlösung. Mal abgesehen davon, dass es umständlich und unbequem ist, sehe ich nun langsam verschwommen. Mit erhöhtem Oberkörper zu schlafen bringt nur dann etwas, wenn ich mich in fast 90° befinde und das ist ebenfalls sehr unbequem.

Nun also die Frage, was die Ursache sein könnte. Irgend etwas, ein Botenstoff, wird wohl die Permeabilität der Gefäße erhöhen. Histamin kann es wohl nicht sein, weil das Antihistaminikum keine Wirkung zeigt. Würde Montelukast womöglich helfen?
Kennen Sie vielleicht vergleichbare Fälle?

Vielen Dank!
kk9979
Beiträge: 89
Registriert: 08 Mär 2012, 06:47

Re: Augenlidödeme aber kein Quincke-Ödem - Ursache und Behan

Beitrag von kk9979 »

Hallo Lachnix,

ich bin KEIN Arzt, aber ich wird nochmal das Thema beim Arzt vorstellig machen. Es gibt auch andere Erkrankungen, die zu Schwellung der Augenlider führen können. Bei mir z.B. war es so, dass ich morgens auch geschwollene Augenlider hatte: entweder es sah um die Augen verquollen aus oder es war fast richtig zu. Es wurde auch erst auf Allergie/Angioödem getippt. Aber ein Antihistaminikum half nicht und die Schwellungen kamen täglich neu. Bei mir waren es Schwellungen im Rahmen einer Nierenerkrankung.

Auch habe ich davon gehört, dass man um die Augenpartien Schwellungen bekommen kann, bei Problemen mit der Schilddrüse. Ich bin zwar kein Arzt, aber das soll dir deutlich machen, dass du es auf jeden Fall abklären solltest, falls du es nicht schon getan hast.
Dr. M. Magerl
Facharzt
Beiträge: 1436
Registriert: 16 Nov 2001, 00:00
Wohnort: Berlin

Re: Augenlidödeme aber kein Quincke-Ödem - Ursache und Behan

Beitrag von Dr. M. Magerl »

Hallo Lachnix,
kk9979 war ein wenig schneller mit der Antwort. Und ich finde, er ist auf der richtigen Spur. Ödeme, die stets nach Liegen auftreten, sind -wie sie schon selbst sagen- keine Angioödeme. Und damit auch nicht Teil einer Urtikaria.
Ödeme, die stets nach Liegen auftreten, spiegeln ein anderes Problem wider: Möglicherweise in Elektrolyt/Osmoseproblem wie eine Nierenerkrankung. Vielleicht ein hormonelles Problem wie eine Schilddrüsenerkrankung. Oder auch ein Abflussproblem / Stauungsproblem der ableitenden Blutwege bis hin zum Herzen/Lunge. In keinem dieser Fälle würde Montelukast helfen.
Sie sollten bei Ihrem Hausarzt vorstellig werden, um mit ihm die diagnostischen Möglichkeiten zu checken.
Mit besten Grüßen,
Magerl
Prof. Dr. M. Magerl

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Lachnix
Beiträge: 11
Registriert: 08 Apr 2016, 11:08

Re: Augenlidödeme aber kein Quincke-Ödem - Ursache und Behan

Beitrag von Lachnix »

Vielen herzlichen Dank für Ihre Antworten,

ich habe nun Termine beim Nephrologen, Endokrinologen und zum Röntgen-Thorax zum Ausschluss einer Stauung. Mein Hausarzt macht demnächst eine Blutuntersuchung.
Dennoch einmal eine Frage: Ich sehe nach wie vor einen Zusammenhang der Urtikaria mit den Lidödemen. Und Ödeme sind, das hatte ich bislang noch nicht erwähnt, nicht die einzigen Veränderungen an meinen Augen. Die sogenannten Tränensäcke sind permanent geschwollen, sehen "wulstig" aus. Längere Zeit dachte ich, es würde sich um ein Ödem handeln, das den ganzen Tag bestehen bleibt aber das denke ich nun nicht mehr. Auch geht es in keinster Weise zurück, wenn ich mit dem Fingernagel fest draufdrücke. Mittlerweile ist die Urtikaria als autoreaktiv diagnostiziert (deutliche Reaktion beim autologen Serumtest). Damit ist für die Dermatologen der Uniklinik Köln die Sache abgehakt. Weitere Diagnostik wird nicht betrieben (z.B. um welche Autoantikörper es sich handelt) und ich erhalte nun Omalizumab. Eine durchschlagende Wirkung blieb bislang aus aber ich hatte auch erst eine Injektion.
Meine Überlegung bzgl. der Lidödeme und "Wulste" war nun dahin gehend, dass vielleicht die Autoantikörper eine gewisse Affinität zum retrobulbären Gewebe (Fett- oder eher Subkutangewebe) aufweisen, ähnlich wie beim M. Basedow (daher die "Wulste") und da es sich bei Antikörpern um Proteine handelt, diese osmotisch wirksam sind und es somit im Ligen zu einer Wasseransammlung kommt.

Wäre so etwas denkbar?

Vielen Dank!
Dr. Nicole Schoepke
Fachärztin
Beiträge: 136
Registriert: 17 Aug 2010, 17:27
Wohnort: Berlin

Re: Augenlidödeme aber kein Quincke-Ödem - Ursache und Behan

Beitrag von Dr. Nicole Schoepke »

Hallo Lachnix,
wie von Herrn Professor Magerl bereits geschildert, passen die beschriebenen Hautveränderungen unter Ihren Augen eher weniger zu einer klassischen Nesselsucht bzw. zu typischen Angioödemen.
Die Termine, die Sie vereinbart haben, sind daher sehr sinnvoll!
Bei verschiedenen Schilddrüsenerkrankungen, die unter anderem auch „autoimmun“ vermittelt sein können, kann es zu Augenschwellungen kommen. Der Endokrinologe ist hier für die genauen Blutuntersuchungen der richtige Ansprechpartner!
Die Gabe von Xolair wird daher wahrscheinlich keine Wirkung auf die Schwellungen unter den Augen haben, sollte aber eine Wirkung auf die Quaddeln oder auf typische Angioödeme haben. Das Ansprechen auf Xolair sollte erst nach drei Gaben beurteilen und dann das weitere Vorgehen zusammen mit dem Arzt entschieden werden. Ich wünsche Ihnen hierfür viel Erfolg!
Mit den besten Grüßen
Nicole Schoepke
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