Seltsame Symptome und keinerlei Ideen...

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Moderator: USS

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Wastlbombastl
Beiträge: 1
Registriert: 08 Jul 2016, 11:23

Seltsame Symptome und keinerlei Ideen...

Beitrag von Wastlbombastl »

Erstmal ein herzliches Hallo ans Forum!

Ich, 34, m, aus der Steiermark in Österreich, wende mich an Euch auf der Suche nach Ideen für Diagnosen bzw. weiterführende Untersuchungen!
Meine behandelnden Ärzte genauso wie ich sind mittlerweile eher Ratlos...

Bei mir haben sich in den letzten 2 Jahren einige Symptome entwickelt, von denen niemand sagen kann ob sie zusammenhängen oder nicht, jedoch machen sie mir das Leben nicht gerade angenehmer...

Es ist vielleicht etwas viel zu lesen, aber ich erlaube mir alle meine Symptome, zu denen auch (aber nicht nur) eine Urtikaria dazugehört, einfach mal zu beschreiben und meine persönliche Einschätzung (so gut es geht) mal außen vor zu lassen!

- Infektanfälligkeit
Seit einigen Jahren immer wieder Infekte der oberen Atemwege, die fast immer zu einer Nasennebenhöhlenentzündung führen und auf Antibiotika nicht
bzw. nur seehhr schlecht ansprechen und Ewigkeiten dauern (3-5 Wochen...). Auf Antibiotika wird's besser (aber nicht gut) und flammt sofort nach der
Einnahme wieder auf. Ich habe schon mehrmals 3 verschiedene Antibiotikas für je 10 Tage hintereinander genommen (30 Tage Antibiotika!) ohne
Besserung... Sicher 5-6x im Jahr solche Infekte.

- Hypothyreose
seit 2 Jahren nach so einer Nasennebenhöhlenentzündungs- Phase von 4 Wochen eine Hypothyreose entwickelt mit einem TSH von 12,4... Bin fast nicht
mehr aus dem Bett gekommen. Schilddrüsen- Autoantikörper negativ, keine Auffälligkeiten in der Sono. Seitdem Euthyrox 75µg...

- Hyperhidrose
Zeitgleich mit der Hypothyreose (!!) begonnen. Während der Nasennebenhöhlenentzündung Fieber gehabt und stark geschwitzt, danach einfach nimmer
aufgehört mit Schwitzen. Vor allem an Handflächen und Achseln. Ungut.

- Urtikaria oder so... (angeblich)
vor 2 Jahren plötzlich aus heiterem Himmel am gesamten Oberkörper (v.a. Schultern, Thorax und Hals) komische Quaddel bekommen, die zuerst klein
begonnen haben und innerhalb von einer halben Stunde immer größer geworden sind. Und seltsam ausgeschaut haben die auch: Außen ein
geröteter Kreis, leicht erhaben, innen im Zentrum blass. Die sind dann immer weiter gewachsen, bis sie einfach verblasst waren. Gejuckt hat nix.
In meiner ersten Panik, (Allergie, Hals, etc.) auf die Dermatologie gegangen und mit Aerius bei Bedarf und der Information "Urtikaria" wieder heim. Aerius
hat auch geholfen, aber erst ab ca. 5 Tabletten am Tag- nicht ideal.
Das ganze hat 3 Monate gedauert, dann wars genauso plötzlich wieder weg wie es angefangen hat- für ca 7 Monate. Dann hat das ganze Spiel erneut
begonnen, nur diesmal nicht am Oberkörper, sondern am Bauch und auch "drunter", so zwischen Bauchnabel und Bund der Unterhose. Wieder mit
Aerius behandelt, wieder für 2-3 Monate, dann wieder weg und wieder ca. ein halbes Jahr Pause.
Und jetzt ist es wieder da, aber seit November (>8 Monate) und geht nicht mehr weg. Und tritt jetzt vor allem an den Armen, dem Oberkörper und dem
Gesicht auf, und juckt. Juckt böse... Und Aerius ist hilflos, bin auf Anraten meines Arztes auf "Allegra" umgestiegen, aber auch damit komm ich nicht hin.
Sobald ich etwas esse, oder trinke und zwar egal was, bricht der Ausschlag aus. Und manchmal auch einfach so. Mal trink ich einen Radler und es
passiert nix, trink ich den gleichen Radler 2 Tage später bricht alles aus. Detto mit Schokolade, Cola, Schwarzbrot, Weissbrot, Wurst, Käse, Obst,
Gemüse,...sogar Salat. Hmmm...

- Sonnenallergie
Nachdem ich diesen Sommer schon einige Male in der Sonne war, hab ich seit dieser Woche eine Sonnenallergie- angeblich. Zum ersten Mal in meinem
Leben. Und zwar ordentlich, nach 20 Minuten in der Sonne. Am ganzen Oberkörper, genau dort wo sonst die Urtikaria auftritt.... Voll toll! Hab ich die
Urtikaria mit Antihistaminika im Griff, krieg ich den Ausschlag halt von der Sonnenallergie. Ideal. Auch die reagiert auf Allegra, geht zwar nicht weg, hört
aber wenigstens auf zu jucken...

- Leberwerte
Seit einem Jahr habe ich erhöhte Leberwerte, die langsam aber kontinuierlich ansteigen. GOT, GPT und Gamma-GT... (Noch) nicht besorgniserregend
hoch, aber steigend. Und nein, ich trinke nicht übermäßig. Hin und wieder am Wochenende mal mit Freunden, unter der Woche eigentlich nie.
Normalerweise nicht mal Wein oder Bier, Bier nur EM- und Gruppenzwang- bedingt ;) Schmeckt mir nämlich echt nicht...

Für sich genommen sind das alles keine dramatischen Geschichten, in der Summe machen sie mir das Leben aber auch nicht gerade leichter. Darum laufe ich seit einiger Zeit von Arzt zu Arzt ohne einer Lösung der Probleme (oder des Problems???) auch nur einen Schritt näher zu kommen...

Laut Diagnose der Dermatologie handelt es sich um eine Urtikaria, wahrscheinlich allergisch.
Mein Hausarzt meint das schaut nicht aus wie eine typische Urtikaria, ähnelt eher an einem Erythema annullare und tippte wegen der Nasennebenhöhlenproblematik auf ein Erythema annullare infectiosum aufgrund einer Herdsymptomatik in den Nasennebenhöhlen. Also ab zum HNO- Arzt und ein NNH- CT gemacht, hier jedoch nichts ersichtlich. Weil der HNO- Arzt auch Allergologe ist wurde gleich ein Hauttest und eine Blutabnahme gemacht, außer der bereits bekannten Allergien (Hausstaubmilbe und Katze) aber nichts gefunden.
Der gute Rat des HNO- Arztes: raus mit den Mandeln, auch wenn die gut ausschauen (klein, nicht zerklüftet, nicht gerötet, erst einmal eine Angina gehabt mit 19...). Das könnte eventuell helfen. Vielleicht. Oder auch nicht. Ist mir irgendwie ein bißchen zuwenig für eine Operation...
Die äußerst penible Untersuchung auf der HNO- Klinik, die genau 1 Minute und 20 Sekunden gedauert und mit der "Diagnose" "Wenn der Dr. HNO meint die Mandeln gehören raus, dann gehören die raus!" geendet hat, hat mich auch nicht wirklich viel weiter gebracht in meiner Entscheidung mal Testweise die Mandeln rausnehmen zu lassen. Und mein Hausarzt ist auch dagegen.
Beim Zahnarzt und in der Zahnklinik war ich auch (wegen Herdsymptomatik und so). Auch da nix gefunden.

Was wurde sonst untersucht und als normal befunden bzw. ausgeschlossen:
HIV, Hepatitis A,B,C, EBV, ASLO- Titer, rotes BB normal, Differentialblutbild, Eosinophile,...

Auffällig lediglich: IgE gesamt erhöht aber nicht massiv (no na ned-> Hausstaubmilbenallergie...) sowie eine leichte Leukozytose (13.000.. ja, ich rauche).

Nachdem ich in den letzten Wochen plötzlich Schweißausbrüche bekommen hab, habe ich Euthyrox abgesetzt. Und mein Antitranspirant ebenso. Hat aber an der Uriikaria nichts geändert.

Jetzt habe ich da meine gesamte Krankengeschichte abgetippt, wer es bis hier geschafft hat zu lesen und eventuell irgendwelche Ideen äußern kann oder vermag, ist sich meines zutiefst empfundenen Dankes sicher! :-) Ich bin 34 Jahre alt, ein wenig zu früh meines Erachtens um physisch derartig auseinanderzufallen... Und dauernd mit irgendwelchen Ausschlägen im Gesicht, Brust, Bauch oder Armen durch den Sommer zu laufen macht auch wenig Spaß...

Darum wende ich mich an Euch! :-) Was könnten nächste Schritte sein? Untersuchungen? Ärzte? Gibt's irgendeine Krankheit die mit solchen Symptomen einhergeht?

Vielen Dank im Voraus!

Wastlbombastl

(Hänge auch ein Foto dieser angeblichen Urtikaria an. Nicht schön, aber ähm... Diagnostisch wertvoll...? ;) )
Dateianhänge
ca. 3-4 cm, seitlicher Thorax
ca. 3-4 cm, seitlicher Thorax
1.jpg (153.35 KiB) 5192 mal betrachtet
ca. 2cm, Arm
ca. 2cm, Arm
2.jpg (87.34 KiB) 5192 mal betrachtet
Claudili12287
Beiträge: 3
Registriert: 11 Jul 2016, 07:39

Re: Seltsame Symptome und keinerlei Ideen...

Beitrag von Claudili12287 »

Huhu,
was soll man zu so vielen Baustellen sagen? Hmm...
Ich durfte die Erfahrung machen, dass die Urtikaria auftritt, wenn der Körper krankt.
Und dein Bild sieht für mich (kein Arzt) nach einer typischen Quaddel aus. Sei froh, dass du deine Haut noch sehen kannst.
Diese Dinger sind furchtbar und können deinen ganzen Körper überfallen. Hatte ich selber mal... Komplett rot und quaddelig von Kopf bis Fuß.
Ich denke, du solltest den Focus nicht auf die Urtikaria legen, sondern auf die anderen Krankheiten. Beseitige die und mit etwas Glück, verschwindet dann auch die Nesselsucht.

Viele Grüße und gute Besserung!
kk9979
Beiträge: 89
Registriert: 08 Mär 2012, 06:47

Re: Seltsame Symptome und keinerlei Ideen...

Beitrag von kk9979 »

Hallo Wastlbombastl,

wer hat denn deine Schilddrüse untersucht? Warst du bei einem Endokrinologen? Ist die Schilddrüse denn auch von der Größe normal groß? Frage deswegen, weil es auch eine seronegative Hashimoto-Thyreoiditis gibt. Da hat man die Antikörper nicht. Sollte die Schilddrüse vielleicht schon zu klein sein, dann ist die Entzündung abgelaufen und dann gibt es auch keine AK mehr. Habe auch das Problem: meine Schilddrüse ist vom unteren Grenzbereich auf 5 ml geschrumpft. Keine Antikörper. Hab auch einen Termin beim Endokrinologen. Aus irgendwelchen Ursachen muss sie ja geschrumpft sein. Also mein Tipp, vielleicht mal richtig zum Endo gehen, falls nicht geschehen.

Mit der Sonnenunverträglichkeit: bekommst du da Quaddeln oder anderen Ausschlag? Im Gesicht: über die Wangen und Nase? Frage deshalb, weil es auch einen Lupus erythematodes gibt (rheumatische Erkrankung), da verträgt man die Sonne auch nicht. Will dir keine Angst machen. Geh doch einfach nochmal zum Hautarzt und zeige den Ausschlag nach Sonne oder, wenn er schon weg ist, bis du einen Termin hast, dann mach ein paar Fotos und zeig sie.

Ich würde nochmal alles richtig checken lassen. Vielleicht mal in einer Urtikaria-Sprechstunde einer Uniklinik. Da wird sowas alles mit untersucht.
Dr. Nicole Schoepke
Fachärztin
Beiträge: 136
Registriert: 17 Aug 2010, 17:27
Wohnort: Berlin

Re: Seltsame Symptome und keinerlei Ideen...

Beitrag von Dr. Nicole Schoepke »

Hallo Wastlbombastl,

Die Ursachen für eine Nesselsucht können sehr vielfältig sein und ich muss Ihnen leider sagen, dass wir nicht bei allen Pateinten wirklich eine Ursache finden. Zunächst muss einmal geklärt werden, ob es sich bei Ihnen wirklich um eine Urtikaria handelt – die Bilder sprechen für Quaddeln – aber nur anhand von Bildern kann man leider keine Diagnose stellen. Daher würde ich Ihnen für die Diagnosestellung empfehlen einen Hautarzt aufzusuchen. Dies kann ein niedergelassener Kollege sein. Wenn dieser nicht weiter kommen sollte, gibt es aber auch in ganz Deutschland viele spezialisierte Zentren. Hierzu finden Sie eventuell auch Tipps von „Leidensgenossen“ im Forum im Erfahrungsaustausch.
Sollte es sich dann um eine chronische spontane Urtikaria handeln, kann bei Bedarf nach einer Ursache gesucht werden. Die häufigsten Ursachen sind Infektionen im Körper (bsp. Nasennebenhöhlenentzündungen oder Darminfektionen mit bsp. Helicobacter pylori), Unverträglichkeiten (in weniger als 1% der Fälle sind klassische Allergien der Auslöser) gegenüber Inhaltsstoffe in Nahrungsmitteln oder Medikamenten oder autoimmune Ursachen, die auch mit anderen Autoimmunerkrankungen assoziiert sein können.
Wenn keine Ursache gefunden wird bzw. keine Ursachensuche betrieben wird, dann kann eine symptomatische Therapie erfolgen.
Auch hierfür sollten Sie sich noch einmal bei Ihrem Hautarzt vorstellen um die möglichen Optionen zu besprechen.
Ich wünsche Ihnen hierfür viel Erfolg.

Mit den besten Grüßen
Nicole Schoepke
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