Angioödeme, kein Juckreiz, wie gehts weiter?

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Moderator: USS

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walterr
Beiträge: 2
Registriert: 21 Aug 2016, 20:25
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Angioödeme, kein Juckreiz, wie gehts weiter?

Beitrag von walterr »

Hallo liebe Mitglieder im Forum,

meine Urtikaria (???) Geschichte beginnt am 30.5.2016. Ich bin nachts um ca. 1.30 Uhr aufgewacht und hatte eine extrem geschwollene Oberlippe mit Schwerpunkt rechte Gesichtshälfte.
Am nächsten Tag wurde ich vom Hausarzt, der keine Diagnose stellen konnte zum HNO verwiesen, der mich wegen eines Angioödems krankschrieb. Die Schwellung nahm im Laufe des Tages relativ schnell ab, so dass ich dachte, das ist überstanden. In der folgenden Nacht erwachte ich wieder um ca. 1.30 Uhr, diesmal mit einer extrem geschwollenen Unterlippe ebenfalls wieder rechtsseitig. Bis zum morgen war die Schwellung weitgehend verschwunden. Wieder zum HNO, dieser führte einen Allergietest durch und verschrieb mir für Notfälle (Atemnot) bzw. weitere Schwellungsattacken „Prednisolon AL 20 mg Tabletten“.

Danach hatte ich erstmal keine weiteren Schwellungen – bis zum 15.6.2016 wieder mit einer extrem geschwollenen Unterlippe rechtsseitig wieder mit Höhepunkt um ca. 1.30 Uhr nachts. Die eingenommenen 4 Tabletten Prednisolon zeigten keine Wirkung auf die Schwellung. Im Laufe des Tages verlagerte sich die Schwellung von der Unterlippe zur Oberlippe. Vom Hausarzt wurde ich zum Allergologen geschickt. Von dort wurde ich direkt in die Allergieambulanz der Hautklinik Erlangen geschickt.
Wegen eines „akuten Quincke-Ödems“ wurde ich dort für 2 Tage stationär aufgenommen. Über eine Infusion erhielt ich Tavegil. Die Infusion wurde nach 12 Stunden ersetzt durch Tabletten Desloratadin 5 mg (3x täglich), sowie Tavegil 1,34 mg (1xtäglich, zur Nacht).
Die Entlassungsempfehlung der Klinik lautete: Fortführung der Antihistaminika-Therapie mit schrittweiser Reduktion der Dosis. Nachdem ich für eine Woche die Dosierung der Desloratadin von 3 auf 2 Tabletten durchgeführt hatte ich am 3.7.2016 wieder eine Schwellung an der rechten Backe, Höhepunkt ebenfalls wieder nachts um ca. 2.30 Uhr. Die Dosierung wurde daraufhin wieder erhöht und danach wieder schrittweise abgebaut, so dass ich vom 11. bis zum 19.7. ohne Medikamenteneinnahme zurechtkam. In dieser Zeit hatte ich jedoch starke Halsschmerzen und Schmerzen beim Schlucken.
Am 22.7.2016 war dann wieder meine Unterlippe extrem geschwollen, diesmal linksseitig. Höhepunkt wieder nachts um ca. 2.30 Uhr. Die Schwellung ging bis zum Morgen größtenteils zurück, nachmittags ist allerdings meine Unterlippe wieder innerhalb weniger Minuten angeschwollen. Wegen der Hals- und Schluckbeschwerden war ich wieder beim HNO, der mir erneut Desloratadin verschrieb.
Weiterhin setzte der Hausarzt im Anschluss die bei Chronifizierung der Erkrankung von der Hautklinik vorgeschlagenen Maßnahmen um (großes Blutbild, Stuhlprobe) außerdem wurde ich zum Internisten überwiesen, dort wurde eine Magen- und Darmspiegelung, sowie ein Ultraschall des Bauchraumes, sowie der Schilddrüse durgeführt. Zwischenzeitlich wurde auf Veranlassung des HNO ein CT von den Nasennebenhöhlen aufgenommen. Dies alles ohne Befund.
Der Internist empfahl mir b. a. w. Desloratadin einzunehmen (2 Tabletten pro Tag). Dies funktionierte jetzt 4 Wochen ziemlich gut, jedoch treten bei mir seit 4 Tagen wieder Schwellungen, diesmal an der Stirn bzw. Schläfe und an der Augenbraue –jeweils rechtsseitig- und diesmal überwiegend am Abend auf.

Ich bin nun ziemlich verunsichert. Soll ich die Dosis auf drei Tabletten täglich erhöhen?

Ist die dauerhafte Medikamenteneinnahme mit Risiken behaftet?

Kennt jemand ein ähnliches Krankenbild?

Gibt es im Forum Erfahrungen mit Heilpraktikerbehandlungen?

Welche Ursachen stecken hinter den Ödemen, warum treten sie überwiegend rechtsseitig auf?

Zu Mir:

Ich bin männlich, 42 Jahre Bankkaufmann
Im Jahr 2013 wurde meine Gallenblase entfernt, 2015 wurde eine Sorbitintoleranz festgestellt, ansonsten bin ich grundsätzlich gesund.

Zeitweise habe ich ein Ernährungstagebuch geführt, dabei sind mir jedoch keine Zusammenhänge der Ernährung zu den Schwellungen aufgefallen.
Vielen Dank für die Unterstützung, Walter
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Dr. Nicole Schoepke
Fachärztin
Beiträge: 136
Registriert: 17 Aug 2010, 17:27
Wohnort: Berlin

Re: Angioödeme, kein Juckreiz, wie gehts weiter?

Beitrag von Dr. Nicole Schoepke »

Hallo Walter,

da die beschrieben Schwellungen auf Antihistamnika bzw. auf Steroide ansprechen, ist am ehesten von "histamninvermittelten" Schwellungen auszugehen, diese fasst man unter dem großen Bild der Urtikaria zusammen (auch wenn hier vielleicht nicht die ganz typischen Quaddeln auftreten). Es gibt auch Schwellungen, die nicht histaminabhängig - sondern durch einen anderen Stoff, das Bradykinin - hervorgerufen werden. Insgesamt passt das Ansprechen der Antihistaminika jedoch nicht ganz auf brdykininvermittelte Schwellungen, sollte aber zur Vollständigkeit abgeklärt werden.
Für die Ursache der Nesselsucht gibt es sehr viele verschiedene Faktoren(http://www.urtikaria.net/de/formen-der- ... karia.html). Eine Abklärung all der genannten möglichen Ursachen kann insbesondere in dafür spezialisierten Zentren durchgeführt werden.
Die eingenommenen Antihistaminika unterdrücken letztlich nur die Symptome, werden sie weggelassen und sind die Ursachen noch vorhanden – kommen die Beschwerden wieder.
Die Einnahme der Antihistaminika könnte ganz allgemein entsprechend der Leitlinien bis zum vierfachen der normalen Tagesdosis genommen werden – ob das auch in ihrem speziellen Falle möglich ist, sollte mit Ihrem behandelnden Arzt besprochen werden. Die Antihistaminika können als Nebenwirkungen vor allem zu Müdigkeit führen und das Reaktionsvermögen beeinträchtigen, insbesondere bei der höheren Dosierung. Den Grund warum die Schwellungen immer auf einer Seite auftreten (nach ihrer Schilderung sind sie ja aber auch an verschiedenen Stellen aufgetreten) kann man leider nicht so einfach liefern – wenn die Beschwerden aber immer an derselben Stelle auftreten, sollte auch noch einmal geschaut werden, ob es andere Ursachen gibt – bsp. Abflussstörungen oder ähnliches.
All diese möglichen Untersuchungen und Therapien sollten Sie jedoch ganz individuell mit Ihrem behandelnden Dermatologen besprechen.
Mit den besten Wünschen
Nicole Schoepke
walterr
Beiträge: 2
Registriert: 21 Aug 2016, 20:25
Wohnort: 91790 Bergen

Re: Angioödeme, kein Juckreiz, wie gehts weiter?

Beitrag von walterr »

Hallo Frau Dr. Schoepke,

vielen Dank für Ihre Ausführungen. Schön, dass Sie sich -vermutlich in Ihrer Freizeit- für das Forum zur Verfügung stellen!

Wie so viele Betroffene habe ich eine wahren Ärztemarathon hinter mir: vom Hausarzt zum HNO, dann zum Allergologen, dann in die Hautklink, dann zum Zahnarzt und zum Internisten....

Bisher hat sich der Internist -da ich ihn persönlich kenne- am ehesten für die Krankheit interessiert, aktuell kann ich eigentlich nicht sagen, wer denn eigentlich der "behandelnde Arzt" ist. Der Hausarzt war schon von Beginn an der Meinung, dass die Untersuchungen nichts bringen, da man eh keine Ursache findet. Und irgendwann hören die Symptome auch wieder auf. Vielleicht liegt das auch daran, dass bis zum jeweiligen Arztermin die Schwellungen wieder verschwunden waren und ich "nur" Bilder zeigen konnte.

Ihren Ausführungen zu Folge sollte ich mich also an einen Dermatologen wenden?


Was mich zur Zeit allerdings sehr beunruhigt, ist, dass sich nun schon seit einer Woche täglich Schwellungen bilden und zwar unter Einnahme der Antihistaminika (Desloratadin 5mg - 2 Tabletten pro Tag) Diese verschwinden zwar i. d. R. innerhalb weniger Stunden wieder, aber bis vor einer Woche war unter Einnhame der beschriebenen Dosis keine Schwellung festzustellen. Auch war vor der medikamentösen Behandlung zwischen den einzelnen Schwellungsattacken immer mal ein Pause von bis zu zwei Wochen.

Worin könnten die Ursachen liegen, dass die Antihistaminika in der bisherigen Dosierung nicht mehr anschlagen bzw. dass die Schwellungen jetzt täglich auftreten?

Sie schreiben auch: Eine Abklärung all der genannten möglichen Ursachen kann insbesondere in dafür spezialisierten Zentren durchgeführt werden.

Wer entscheidet, ob eine Abklärung in den spezialisierten Zentren durchgeführt wird?

Wo finde ich bzw. der behandelnde Arzt diese Zentren?

Vielen Dank für Ihre Hilfe!

Freundliche Grüße

Walter R.
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