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 Betreff des Beitrags: Umgang mit Kälteurtikaria
BeitragVerfasst: 13 Jun 2017, 19:41 
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Registriert: 13 Jun 2017, 18:05
Beiträge: 1
Hallo,

mein Sohn ist 13 Jahre alt und er leidet seit diesem Frühjahr erneut an einer ausgeprägten Kälteurtikaria. Erstmalig zeigte sich bei ihm eine Kälteurtikaria im Kindergartenalter, zwei Winter nahm er damals erfolgreich Cetirizin durch, danach war sie bis zu diesem Frühjahr verschwunden. Zwischen Kindergarten und jetzt hat er "nur" punktuell auf Kälte reagiert, wenn er z. B. ein Wassereis in der Hand hielt hatte er danach eine geschwollene Hand. Seit Februar diesen Jahres reagiert seine Haut wieder stark auf feuchte, kalte Luft. Im Gesicht hat er dann oft unzählige Quaddeln und ist extrem gerötet. An der Grenze zur bedeckten Haut erkennt man einen deutlichen Unterschied zwischen betroffener und nicht betroffener Haut. Cetirizin scheint nun nur mäßig zu helfen, zumindest die prophylaktische Gabe wie im Kindergartenalter. Er fühlt sich dann sehr schlapp. Bei einem Kurzurlaub an der Müritz am letzten Wochenende war er nach ca 10 Min in der 17 Grad kühlen Müritz übersäht von Quaddeln (ganzer Körper), zudem war seine Haut sehr rot, er war schlapp und bekam, nach seinem Empfinden, schwerer Luft. Aufgrund seines Heuschnupfens hatte er morgens schon 10 mg Cetirizin bekommen, die bekam er dann nochmal + 2 Hub Sabutamol. Nach ca einer Stunde war nichts mehr zu sehen.
Nun zu meiner eigentlichen Frage- im September fährt er auf Klassenfahrt an die Ostsee. Diese Klassenfahrt schließt einen täglichen Surfkurs mit ein. Erfahrungsgemäß ist die Ostsee ja auch nicht immer warm. Neben einem langen Neoprenanzug, dem ich ihm aufschwatzen werde, würde ich ihm doch gerne ein wirksames Antihistamin für diese Woche geben. Können Sie mir mit einer Empfehlung weiter helfen? Aktuell bekommt er von seiner KÄ als Versuch Xusal für die nächsten drei Wochen. Bei den jetzigen Temperaturen ist es nur schwierig, den Erfolg zu überprüfen...
Wir wohnen in Hamburg, leider habe ich hier noch keinen Experten auf diesem Gebiet ausfindig machen können.
Über Tipps und Ideen, wie mein Sohn die Klassenfahrt ohne Kälteurtikaria überstehen kann, wäre ich sehr dankbar!
Mein Sohn hat ein gut eingestelltes Asthma (Viani 1-0-1, bei Bedarf Salbutamol), Neurodermitis starke Pollen-, Gräser-, Hausstaub- und Tierhaarallergien, und er reagiert anaphylaktisch auf Erdnuss. Dafür hat er ein komplettes Notfall-Set, aufgrund dieser Allergie, stellt sich mir natürlich auch die Frage, wie gefährlich eine Kälteurtikaria für ihn sein kann, wenn er auf der Klassenfahrt täglich in der Ostsee ist...

Vielen Dank im Voraus und
herzliche Grüße!
Tini


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 Betreff des Beitrags: Re: Umgang mit Kälteurtikaria
BeitragVerfasst: 15 Jun 2017, 07:28 
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Facharzt

Registriert: 16 Nov 2001, 00:00
Beiträge: 1399
Wohnort: Berlin
Hallo Tini,
bei der Kälteurtikaria (KU) findet sich nur selten eine Ursache, deren Beseitigung zur Abheilung der KU führen würde. Allerdings sprechen einige Patienten auf eine Behandlung mit Antibiotika an, vor allem auf Doxycyclin. Die Mehrzahl leider nicht. Daher ist eine symptomatische Therapie, also eine Therapie, die die Beschwerden unter Kontrolle hält, die Therapie der Wahl. Antihistaminika (AH) sind hierzu in den meisten Fällen gut geeignet. Die Wirksamkeit der Antihistaminika ist dosisabhängig. Was bei einem Kindergartenkind reicht, reicht bei einem Jugendlichen oft nicht mehr. Ganz allgemein muss bei der Urtikaria oft höher dosiert werden, als die Packungsbeilage vorsieht. Die Leitlinien empfehlen bis zu dem Vierfachen der üblichen Tagsesdosis. Cetirizin macht darüberhinaus relativ häufig müde, im Vergleich zu anderen modernen Antihistaminika. Bei beispielsweise Desloratadin, Rupatadin oder Ebastel sieht man diesen Effekt deutlich seltener. Wichtig bei AH ist die regelmäßige Einnahme, dann wirken sie besser, als wenn sie schnell mal eben bei Bedarf eingenommen werden.
Sollte das immer noch nicht helfen, kann man angesichts des Asthmas und der Urtikaria die Anwendung von Xolair andenken, auch wenn es für diese spezielle Form der Urtikaria alleine nicht ausdrücklich zugelassen ist.
Wichtig für den Urlaub Ihres Sohnes am Meer wäre noch ein Notfallset für alle Fälle, mindestens Kortison und Antihistaminikum sollte drin sein, bei einer Kälteurtikaria sollte man durchaus noch einen Adrenalin-Pen dazugeben.
Sie schreiben: " Bei den jetzigen Temperaturen ist es nur schwierig, den Erfolg zu überprüfen... ": Einen Eiswürfel in ein Plastiktütchen mit einem Schluck Wasser packen. In weniger als einer Minute ist die Tüte genau 0 Grad kalt. Auf den Unterarm legen für 3 Minuten und nach 10 Minuten gucken, was passiert ist.

Mit besten Grüßen,
Markus Magerl

P.S.: Leseempfehlung

_________________
Prof. Dr. med. M. Magerl
Klinik für Dermatologie
Allergie-Centrum-Charité
Charité Universitätsmedizin
Charitéplatz 1
D - 10117 Berlin


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 Betreff des Beitrags: Re: Umgang mit Kälteurtikaria
BeitragVerfasst: 13 Sep 2017, 20:20 
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Registriert: 13 Sep 2017, 19:47
Beiträge: 3
Tini04 hat geschrieben:
Hallo,

Wir wohnen in Hamburg, leider habe ich hier noch keinen Experten auf diesem Gebiet ausfindig machen können.



Dr. Montag in Rahlstedt ist sehr kompetent und hat Ahnung von Urtikaria. Er war früher im Bundeswehrkrankenhaus tätig. Schlauer Mensch der sich weiterbildet.


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